Stress als Mitverursacher des Reizdarms wissenschaftlich bestätigt

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir haben es ja alle geahnt, oder?
Die S3-Leitlinie Reizdarm, die zur Zeit überarbeitet wird (hier zu finden: http://www.dgvs.de/fileadmin/user_upload/Leitlinien/Reizdarmsyndrom/Leitlinie_Reizdarmsyndrom.pdf), war da noch vorsichtig. Der Einfluss von Stress bei der Entstehung wurde dort nur vorsichtig angesprochen:

„Statement 2-1-15: Eine eindeutige kausale Beziehung zwischen dem RDS und psychischem Stress konnte bislang nicht belegt werden.“

Im September diesen Jahres wurde das nun doch – wissenschaftlich – belegt: Stress begünstigt ganz klar die Entstehung des Reizdarmsyndroms. Ein guter Grund, beim Thema Diagnostik und Therapie des (Reiz)darms auch über Diagnostik und Therapie von Stress nachzudenken!

Die genaue Quelle lautet:
Löwe B, Lohse A, Andresen V, Vettorazzi E, Rose M, Broicher W. The Development of Irritable Bowel Syndrome: A Prospective Community-Based Cohort Study. Am J Gastroenterol. 2016;111(9):1320-9.

Interessant:
Klarer Konsens bestand allerdings in der Leitlinie darin, dass Stress negativ prognoserelevant für die HEILUNG des Reizdarms ist.

„Statement 1-1-3, Kommentar: So zeigen Patienten mit permanentem Lebensstress keine Besserung ihrer Beschwerden über 6 Monate im Vergleich zu 44% der Patienten ohne Lebensstress.”

Und auch interessant:

„Das Reizdarmsyndrom ist nicht mit der Entwicklung anderer gastrointestinaler oder anderer schwerwiegender Erkrankungen assoziiert.“

Die häufig geäußerte Behauptung, dass aus Reizdarm chronisch entzündliche Darmerkrankungen hervorgehen können, ist damit nicht zu halten…vorausgesetzt, dass die überarbeitet Leitlinie dies auch wieder bestätigen wird.

Beste Grüße
Dr. Elke Jaspers

Du bist was Du isst

Liebe Leser,

wie wichtig unsere Ernährung für unsere Darmbakterien und damit für unsere Gesundheit ist, finden Sie in diesem Artikel zusammengefasst, der in der Deutschen Lebensmittelrundschau erschienen ist.

Am 25. Oktober veranstalte ich u. a. zu diesem top aktuellen Thema auch einen Workshop auf der VKK Herbstakademie. Hier finden Sie Details zur Veranstaltung.

Angaben zum Copyright:
Der Artikel wird mit freundlicher Genehmigung von Gabriele Lauser, Deutsche Lebensmittel-Rundschau, B. Behr´s Verlag GmbH & Co. KG, hier veröffentlicht.
Bitte beachten Sie aber das Copyright, das nach wie vor bei dem Behr’s Verlag liegt.
Abb. 1 stammt von MVZ Institut für Mikroökologie in Herborn und wurde mit dessen freundlicher Genehmigung im Artikel verwendet. Bitte beachten Sie auch hier das Copyright, das nach wie vor beim MVZ Institut für Mikroökologie liegt.

Mit ballaststoffreichen Grüßen :-)
Elke Jaspers

Essen und schlafen – über den Wert des Selbstverständlichen

Liebe Leser,

welches Öl schütten Sie in den Motor Ihres Autos?

Natürlich nur das, das zum Motor Ihres Autos passt. Wir bezahlen gutes Geld dafür, dass unsere Werkstatt ein gutes Öl korrekt einfüllt, nachdem das verbrauchte Öl abgelassen wurde. Oder wir wälzen die Bedienungsanleitung und erkundigen uns in der Tankstelle genau, damit ja nicht das falsche Öl in unseren Automotor gelangt. Er könnte kaputt gehen, und es folgt eine teure Reparatur.
Und welches Öl schütten wir in unseren Motor?
Darauf wird – bezogen auf den größten Teil der Bevölkerung – deutlich weniger Wert gelegt. Dabei ernährt unserer Ernährung nicht nur uns – sondern bestimmt maßgeblich, welche Darmbakterien wir im Darm haben. Inzwischen wissen wir z. B. aktuell aus Tierexperimenten, dass Darmbakterien, die kurzkettige Fettsäuren produzieren, wichtig für eine intakte Bluthirnschranke und auch für gut funktionierende Mikrogliazellen sind.

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Online-Kongress zum Thema “gut-brain-axis”

Lieber Leserin, lieber Leser,

das Thema “Darm-Hirn-Achse” ist und bleibt spannend. Wollen Sie ein update über aktuelle Themen?
Dann kommen Sie doch online dazu: Am 20. November 2016 veranstaltet der Arbeitskreis für Mikrobiologische Therapie e.V. (AMT) seinen ersten interaktiven online Kongress. Es gibt spannende Vorträge rund zum Thema Darm-Hirn-Achse, und das Beste ist: Sie können das bequem von zu Hause aus verfolgen.
Gehen Sie einfach auf diese Webseite, dort finden Sie alle Informationen:
http://www.amt-kongress.de/

Beste Grüße
Dr. Elke Jaspers

Wenn Bakterien sprechen könnten – Lebensmittelhygiene für Verbraucher: Die Bedeutung der Händehygiene

Dies ist der Start einer kleinen Artikelserie zum Thema “Lebensmittelhygiene für Verbraucher”.

Wenn Bakterien, Schimmelpilze und Viren sprechen könnten, wäre unser Leben ganz schön verrückt. Das „stille Örtchen“ wäre kein stilles Örtchen mehr, denn allein in unserem Darm haben wir Menschen schon mehr Bakterien, als wir Körperzellen haben. Jeder Toilettengang wäre ein großer bakterieller Aufschrei…wer wird schon gerne heruntergespült! Allerdings würden wir auch positive Stimmen hören…nämlich dann, wenn wir uns nach dem Toilettengang nicht die Hände waschen. „Geh’ in die Küche“, würden die Bakterien auf unseren Händen uns zurufen, und zwar ziemlich laut, denn je nachdem, was auf der Toilette passiert, können das bis zu 100.000.000 Bakterien sein. Der Traum jedes Bakteriums ist es nämlich, aus einem Bakterium zwei zu machen, indem sie sich teilen. Da Bakterien, abgesehen von Wasser, zur Hälfte aus Eiweiß bestehen, brauchen sie auch viel Eiweiß, um sich zu vermehren. Deshalb mögen sie insbesondere eiweißhaltige Lebensmittel wie z. B. Fleisch, Hackfleisch, Eier, und Sahne, die in jeder Küche gibt. Und da es ist in der Küche meistens auch noch warm und feucht ist, freuen sich die Bakterien ganz besonders. So können sie z. B. das ungekühlte Mettbrötchen, das wir mit ungewaschenen Händen zubereitet haben, im Laufe des Tages zur Krankheitsfalle werden lassen, indem sie sich darin vermehren und Giftstoffe freisetzen.
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Gute Darmmikrobiota – gesundes Gehirn

Vor zwei Tagen gab es faszinierende Neuigkeiten in der renommierten naturwissenschaftlichen Zeitschrift „Nature Neuroscience“.
Für alle, die sich schon länger mit der großen Bedeutung der Darmmikrobiota beschäftigen, wird es keine große Überraschung sein – aber eine Freude zu sehen, dass die Wissenschaft die große Bedeutung der Darmmikrobiota für die menschliche Gesundheit mehr und mehr aufklärt.
Kurz gesagt, lauten die Ergebnisse wie folgt:
Die Darmmikrobiota sorgt dafür, dass die Immunabwehr des Gehirns richtig funktioniert und damit Entzündungsgeschehen korrekt im Gehirn „bearbeitet“ werden.

Die Darmbakterien sind dafür verantwortlich, dass die Fresszellen des Gehirns (=Mikrogliazellen/Gehirn-Makrophagen) korrekt reifen und arbeiten. Übrigens: Je diverser die Darmmikrobiota zusammengesetzt ist, desto positiver ist ihre Wirkung auf die Mikrogliazellen. Denn möglicherweise können aufgrund der hohen bakteriellen Diversität Nahrungsbestandteile wie insbesondere Ballaststoffe durch das Zusammenwirken verschiedener Stoffwechselfähigkeiten der verschiedenen Bakterienarten gut zu kurzkettigen Fettsäuren abgebaut werden. Diese kurzkettigen Fettsäuren helfen dann nachgewiesenermaßen den Mikrogliazellen, Entzündungsreaktionen korrekt und schnell zu bekämpfen.
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Gute Darmbakterien – dichte Blut-Hirn-Schranke? Wie Darmbakterien die Entstehung von Multipler Sklerose beeinflussen könnten

Sven Petterson und seine Post-Doc Victoria Braniste vom Karolinska-Institut in Stockholm machten verblüffende Entdeckungen zu einem möglichen Zusammenhang zwischen Darmbakterien und einem gesunden Gehirn:
Sterile Mausembryonen, die keine Darmbakterien haben, entwickeln eine „löcherige“ Blut-Hirn-Schranke, die auch nach der Geburt und während des Erwachsenen-Stadiums durchlässig bleibt. Faszinierenderweise kann aber die gesteigerte Permeabilität der Blut-Hirn-Schranke in den keimfreie Mäusen wieder gesenkt werden….und zwar, in dem man die keimfreien Mäuse mit der Darmmikrobiota gesunder, nicht-keimfreier Mäuse in Kontakt bringt. Dabei wurde nachgewiesen, dass nur die Bakterien, die kurzkettige Fettsäuren bilden können, diese positive Wirkung haben. Das erinnert an gute Darmbakterien wie Faecalibacterium prausnitzii, die im Darm des Menschen Buttersäure (eine kurzkettige Fettsäure) produzieren und damit entscheidend zur Dichtigkeit des Darmepithels – eine Barriere zwischen innerem Raum und innerer Grenzflädhe Darmschleimhaut – beitragen.
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Nicht mehr ganz dicht? Gluten des Weizens öffnet die Darmbarriere

Glutenhaltige moderne Getreidezüchtungen von Weizen werden mittlerweile von vielen Menschen nicht mehr gut vertragen, auch wenn keine gravierende Erkrankung wie z. B. eine Zöliakie, eine Sprue oder eine Allergie diagnostiziert werden kann.
Neben der aktuellen Diskussion über mögliche immunologische Reaktionen auf die im Weizen enthaltenen ATI-Proteine (alpha-Amylase-Trypsin-Inhibiotoren) zeigen Forschungsergebnisse, dass auch das Gliadin (das Gluten im Weizen) dafür verantwortlich sein kann. Gliadin läßt das Molekül Zonulin im Darm auch bei gesunden Menschen ansteigen. Zonulin ist quasi der „Türöffner“ für die tight-junctions im Darm, also Strukturen, die die Spalten zwischen den Darmzellen abdichten und damit die Darmbarriere dicht halten. Ist der Darm nicht mehr dicht, entsteht ein leaky-gut-Syndrom – ein „leckender“ Darm. Bestandteile des Darminhaltes können dann leicht in subepitheliale Schichten einwandern und dort Entzündungsreaktionen hervorrufen.

Quellen:
Clemente, M. G.; De Virgiliis, S.; Kang, J. S.; Macatagney, R.; Musu, M. P.; Di Pierro, M. R.; Drago, S.; Congia, M.; Fasano, A.: „Early effects of gliadin on enterocyte intracellular signalling involved in intestinal barrier function“; Gut 2003, 52, pp. 218-223
Thomas, K. E.; Sapone, A.; Fasano, A.; Vogel, S. N.: „Gliadin stimulation of murine macrophage inflammatory gene expression and intestinal permeability are MyD88-dependent: role of the innate immune response in Celiac disease“; Journal of Immunology 2006, 176, pp. 2512-2521

Schwein gehabt? Nicht nur Geflügelfleisch ist mit Salmonellen belastet!

Wer im Kontext „Lebensmittel“ das Thema „Salmonellen“ hört, wird nervös. Salmonellen, die Bauchkrämpfe, Fieber und Durchfälle verursachen, sind für den guten Ruf tödlich, und dies gilt umsomehr, als dass jeder Laie Salmonellen kennt.

Jeder assoziiert Geflügelfleisch mit Salmonellengefahr. Das ist ja auch korrekt. Aber was ist mit Schweinefleisch? Kaum einer weiß, dass auch hier ein erhebliches Risiko besteht.

Europweit steht das Risiko, an einer Salmonellose zu erkranken, sogar seltener in Zusammenhang mit dem Verzehr von Geflügelfleisch, sondern mit dem von Schweinefleisch und Eiern. Womit wir dann wieder beim Geflügel wären … aber nichts desto trotz empfehle ich, auch bei der Verarbeitung von Schweinefleisch an die Salmonellengefahr zu denken. Damit Sie immer Schwein haben!

Beste Grüße
Dr. Elke Jaspers

Quelle: Faktenblatt „Salmonellen“ der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit
http://www.efsa.europa.eu/de/search/doc/factsheetsalmonellade.pdf